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Dürre in Ostafrika

Hungerkatastrophe in Ostafrika: Kriege, Misswirtschaft und Dürren lassen gefährden die Leben von 12 Millionen Menschen

Gegenwärtig hungern in Ostafrika mindestens 20 Millionen Menschen. Besonders betroffen sind der Jemen, Somalia und der Südsudan, wo fast die Hälfte der Bevölkerung an Hunger leidet, aber auch das zentralafrikanische Nigeria und eigentlich fruchtbare Länder wie Burundi haben mit akuten Problemen der Lebensmittelversorgung zu kämpfen. Die eindringliche Warnungen internationaler Hilfsorganisationen und der UN scheinen unterdessen zu verhallen: Flüchtlingskrise und Terror, sowie wiederaufflammende Rivalitäten unter den entwickelten Nationen versperren den Blick auf eine Hungersnot, die als eine der größten humanitären Katastrophen seit Jahrzehnten in die Geschichte eingehen könnte, sollten die dringend benötigte Nothilfe weiter ausbleiben.

Kein Normalzustand
Wer meint, Hungersnöte seinen auf dem von Krisen geplagten afrikanischen Kontinent traurige Normalität, der irrt: In den vergangenen Jahrzehnten gelang es trotz stetig wachsenden Bevölkerungszahlen immer besser, den Hunger in Afrika einzudämmen. Die gegenwärtige Situation stellt eine Ausnahme dar und entspricht auf der von der UN entwickelten Skala zur Bewertung der Lebensmittelversorgung von Bevölkerungen der höchsten Gefahrenkategorie. Eine Hungersnot oder Hungerkatastrophe ist darin strikt definiert und setzt unter anderem voraus, dass mehr als 30 Prozent einer Bevölkerung akut unterernährt sind und täglich mindestens zwei von 10.000 Menschen an Hunger sterben. Genau diese Stufe ist derzeit in weiten Teilen Afrikas, vor allem aber in Ostafrika erreicht: Nach UN-Angaben sind dort fast 23 Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen; für bis zu 12 Millionen stellt der Hunger eine akute Lebensgefahr dar. Der Nothilfe-Koordinator der UN, Stephen O'Brien erkennt darin die größte humanitäre Katastrophe seit Bestehen der Vereinten Nationen.

Ursachen und Wirkung
Dabei konnte diese Entwicklung vorhergesehen werden: Schon 2011 wurde Ostafrika von einer der verheerendsten Hungersnöten seit Jahrzehnten getroffen. Der Verlust von 250.000 Menschenleben war die Folge. Die Schuld an der gegenwärtigen Wiederholung trägt einerseits der Klimawandel und der damit verbundene Ausfall der Regenzeit: In einigen Ländern am Horn von Afrika fielen im letzten Jahr weniger als die Hälfte der sonst üblichen Niederschläge. Wurmbefall der Ernten und Seuchen wie die Vogelgrippe tragen ihren Teil zur Katastrophe bei. Kriege und Misswirtschaft bilden die andere Seite der Problematik: Das Spektrum reicht dabei von korrupten Regierungen, denen am Wohl der Bevölkerung nichts gelegen ist, über die aus der landwirtschaftlichen Unterentwicklung Ostafrikas entstehende Notwendigkeit, Nahrungsmittel aus dem Ausland teuer zu importieren, bis hin zu den unmittelbaren Begleiterscheinungen anhaltender Gewaltkonflikte und Bürgerkriege. Die Folge sind horrende Lebensmittelpreise, die von den ärmeren Bevölkerungsschichten einfach nicht mehr bezahlt werden können. Die Unterernährung begünstigt wiederum die Ausbreitung von Krankheiten, ein Mangel an sauberen Trinkwasser ließ in Somalia die Cholera ausbrechen. Infolge der Hungersnot gehen rund 6 Millionen Kinder nicht mehr zur Schule , obwohl sie die Möglichkeit dazu hätten.

Nothilfen werden dringend benötigt
Es wäre Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, hier – wie schon in der Vergangenheit und durchaus erfolgreich – für Linderung zu sorgen. Während die Umstände vor Ort die Arbeit regierungsunabhängiger Hilfsorganisationen erheblich erschweren, sind die Regierungen der Industrienationen vor allem mit sich selbst beschäftigt: Nationalistische Gesinnungen und immer häufiger auftretende Wirtschaftskrisen machen es zunehmend schwieriger, von den Staaten die für die Nothilfe dringend benötigten Gelder aufzutreiben. Notwendig 4,4 bis 6,9 Milliarden Dollar, doch nur 430 Millionen waren bis Anfang April bewilligt. Nach Schätzung der UN werde die Hungersnot noch bis mindestens Juli anhalten, eine dauerhafte Lösung der Probleme ist nicht in Sicht.